Problemhund

Ein Hund der sich in der Öffentlichkeit auffällig verhält, wird nicht selten als Problemhund bezeichnet. Nimmt man den Begriff genauer unter die Lupe, gelangt man aber unstrittig zu dem Ergebnis, dass es sich bei den Auffälligkeiten grundsätzlich immer um artgerechte Verhaltensweisen seitens des Hundes handelt. Verhaltensweisen wie Hetzen, Jagen oder das aggressive Vorgehen gegen Artgenossen entsprechen dem natürlichen Potenzial des Hundes, da es sich trotz jahrelanger Domestikation immer noch um einen Beutegreifer handelt.

Handelt es sich nun zwangsläufig um einen Problemhund, wenn ein Hund eine oder alle der genannten Verhaltensweisen zeigt? Nicht zwangsläufig, denn hier kommt es immer auf die Toleranzgrenze und die Perspektive des Menschen an. Hat ein Hundehalter kein Problem damit, dass der eigene Hund aggressiv gegen Artgenossen vorgeht, hat er mit Sicherheit aus seiner Sicht auch keinen Problemhund. Der Hundehalter des anderen Hundes, der unter Umständen verletzt wird, sieht dies möglicherweise ganz anders.

Würde man einen Hund nach seinen vermeintlich auffälligen Verhaltensweisen fragen, würde er vermutlich antworten, dass sein Verhalten auf der einen Seite natürlich und aus seiner Sicht notwendig ist sowie zum anderen, dass er nur das Verhalten zeigen kann, welches er im Laufe seines Lebens gelernt hat. Er würde jedoch darauf hinweisen, dass er bestimmte Verhaltensweisen, wie an der Leine zu ziehen oder andere Hunde zu beißen, nicht gerne zeigt. Aus seiner Sicht muss er dies aber. Von daher ist es für ihn auch völlig unverständlich, dass er für sein Verhalten bestraft oder korrigiert wird.

Kommt man als Halter nun zu dem Fazit, dass es sich beim eigenen Vierbeiner um einen Problemhund handelt, dessen Verhalten jeden Tag aufs neue nervt oder mitunter sogar eine Gefahr für andere Tiere oder Menschen darstellt, stellt sich die Frage, was zu tun ist.

Zunächst sollte man immer nach den Ursachen des Verhaltens suchen, denn hier liegt der entscheidende Faktor, um Problemverhalten erfolgreich und nachhaltig aus der Welt zu schaffen. Grundsätzlich lassen sich immer zwei Hauptursachen für problematische Verhaltensweisen nennen. Geht man davon aus, dass der Hund gesund ist und keine Schmerzen hat, liegt es immer an einer unklaren Einteilung der Ressourcen zwischen Mensch und Hund und an der Tatsache, dass der Hund zu viel Verantwortung für seinen Menschen übernommen hat.

Die wichtigste Ressource für den Hund stellt Futter dar, für den Menschen ist es eigentlich völlig klar, dass er dies für den Hund einteilt, da er es kauft und dem Hund regelmäßig zur Verfügung stellt. Das Problem ist, dass dies vom Hund häufig anders wahrgenommen wird. Ein Hund der regelmäßig, ohne etwas dafür tun zu müssen, Futter bekommt oder über den ganzen Tag verteilt immer Futter zur Verfügung hat, kommt nicht auf die Idee, dass der Mensch dies für ihn einteilt.

Verantwortung übernehmen bedeutet für den Hund, dass Überleben seiner Gemeinschaft zu sichern. Ein Hund der ständig an der Leine zieht, die Nase durchgehend auf dem Boden hat, markiert und zu jedem Hund läuft, macht nichts anderes, als Informationen zu sammeln, Revier zu beanspruchen, seinen Menschen abzusichern und die anderen Artgenossen zu kontrollieren, was sie denn in seinem Revier zu suchen hätten. Fakt ist, der Hund macht dies nicht, weil es eine schöne Freizeitbeschäftigung ist, aus seiner Sicht müssen die genannten Aufgaben erledigt werden. Für den Hund ist die Erledigung dieser Aufgaben anstrengend und viele Hunde sind mit ihrer Aufgabe überfordert, wodurch es zu Stressreaktionen und möglicherweise zu weiterem Fehlverhalten kommt. Im Gegensatz zum Menschen kann er jedoch nicht selbstständig von seinem Verhalten ablassen, wenn er überfordert ist.

Legt man die Ursachen unklare Ressourceneinteilung und die Übernahme von Verantwortung zu Grunde, wird deutlich, warum Kommandos, Verbote oder Bestrafungen langfristig nicht die gewünschte Wirkung erzielen. Ein Hund, der an der Leine zieht und ständig über das Kommando BEI FUß oder das Verbot NEIN mehr oder weniger gesteuert wird, glaubt immer noch, er müsse Informationen sammeln, Revier beanspruchen und seinen Menschen absichern. Das Kommando und das Verbieten, auch der Einsatz eines so genannten Hilfsmittels, sorgen sogar dafür, dass der Hund innerlich einen Konflikt austrägt, der jeden Tag, immer wieder aufs Neue, in ihm brodelt. In diesem Fall werden nur die aus der Ursache resultierenden Symptome „bearbeitet“. Auf der einen Seite muss er, auf der anderen Seite darf er nicht.

Die Konsequenz lautet, dass der Mensch aus Sicht des Hundes Ressourcen einteilen und Verantwortung übernehmen muss!

Genau an diesem Punkt setzt unsere Arbeit an. Wir können Ihnen erklären und zeigen, wie man die genannten Punkte aus Sicht des Hundes, vor allem in kritischen Situationen, erfüllt. Es geht dabei um mehr, als dem Hund SITZ, FUß oder PLATZ beizubringen oder Handlungsweisen über das Kommando NEIN zu verbieten. Jegliche Kommandos und Verbote werden mit unserer Arbeitsweise überflüssig und das erzielte Ergebnis wird, durch Ihr verändertes Verhalten dem Hund gegenüber, zuverlässig und nachhaltig sein.

Dieser Beitrag wurde unter Veröffentlichungen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.