Vorteile eines sprachfreien Umgangs mit dem Hund

Jeder Hund bringt die natürliche Bereitschaft zum Anschluss an den Menschen mit. Er achtet auf die körperlichen Signale des „Teamführers“ Mensch. Um dies nutzen zu können, arbeiten wir sowohl bei der Hundeerziehung als auch bei einer Verhaltensumlenkung zunächst ohne verbale Kommandos.

Selbst auf den täglichen Spaziergängen benutzen Menschen immer wieder die Worte: Aus, Nein, Pfui, Komm, Hier, Geh, Lauf und so weiter und so fort. Der Hund wird einfach nur durch andauerndes Ansprechen mit Befehlen, auf die meistens auch gar keine Konsequenz folgt, “zugetextet”. Der Erfolg dieser Übung ist schlicht und ergreifend, dass das gesprochene Wort nach einiger Zeit nur noch die Bedeutung eines Nebelhorns erfüllt. Der Hund weiß somit immer genau, wo sich sein Mensch gerade befindet. Es ist für ihn nicht mehr nötig, den wichtigen Blickkontakt herzustellen und aufzupassen, wohin sein Mensch gerade geht.

Tägliche Verbote wie Nein, Aus oder Pfui ergeben für den Hund keinen nachhaltigen Sinn. Würde ein Hund diese Verbote wirklich nachvollziehen können, bräuchte man sie nicht jeden Tag in der gleichen Situation immer wieder zu wiederholen. Langfristig können Verbote sogar  so genanntes Meideverhalten am Hund  erzeugen, da dies seine Probleme nicht löst sondern nur verlagert oder unterdrückt. Ungelöste Probleme können auf lange Sicht hin zu einer Art „Zeitbombe“ werden, da man nicht weiß, wann und wie sich das aufgestaute Problem entlädt. Jeder kennt Aussagen von Hundehaltern oder Überschriften aus Tageszeitungen wie „Plötzlich hat er zugebissen“.

Hunde sollen während der Ausbildung durch die Sprache des Menschen motiviert werden. So ist es zumeist nachzulesen. Aber das Gegenteil ist der Fall. Diese Art der Motivation hält meist nicht sehr lange und der Hund nimmt sich nach und nach immer mehr zurück, anstatt motivierter zu werden. Der Mensch macht ja bereits den Kasper, da hat der Hund nun nichts mehr zu tun.

Der Klang unserer Stimme passt oftmals auch gar nicht zu dem, was wir dem Hund vermitteln wollen. Manchmal lachen wir über ein Verhalten, das der Hund uns zeigt, obwohl wir mit erhobenem Zeigefinger dem Tier mitteilen, dass das, was es gerade getan hat oder tut, nicht in Ordnung ist. Das dies nur zu Verwirrungen führt, ist sicherlich nachzuvollziehen.

Unsere Hunde sind Meister der Beobachtung und haben oft nicht mehr zu tun, als uns über Stunden zu beobachten. Sie lernen uns zu lesen. Dabei spielen unsere Körperaktionen die wichtigste Rolle. Der Hund reagiert einfach viel schneller auf Körpersignale, als auf die menschliche Sprache. Das ist alleine schon auf die innerartliche Verständigung der Caniden (Hundeartigen) zurückzuführen, da diese in der Hauptsache durch optische Signale stattfindet.

Diese Möglichkeit der Verständigung über Körperaktionen greifen wir auf. Körperaktionen sind an dieser Stelle nicht mit Sichtzeichen zu verwechseln. Hier sehen wir die Chance, erst gar keine Missverständnisse in der Kommunikation Mensch/Hund aufkommen zu lassen. Insgesamt lernt ein Hund ohne Worte einfacher, schneller und ungehemmter. Hat ein Hund erst einmal gelernt, was zu tun ist, können nach und nach verbale Kommandos eingebaut werden.

Mirko Kopietz

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